Bericht über die Proteste gegen das „Gebirgsjägertreffen“ 2008 in Mittenwald

Der Kameradenkreis der Gebirgsjäger traf sich aufgrund der Proteste in den vergangenen fünf Jahren in diesem Jahr erstmals nicht zu Pfingsten am Kriegsdenkmal auf dem Hohen Brendten. Die Gemeinde Mittenwald verzeichnete wegen der Aufsehen erregenden Demonstrationen gegen das Treffen des Kameradenkreises einen erheblichen Rückgang im Tourismusgeschäft. Auch in diesem Jahr fanden Protestaktionen gegen das Treffen statt.

Am Samstag, den 3. Mai 2008, fanden sich etwa 100 Antifaschist_innen in der Innenstadt Mittenwalds zu einer Demonstration und einer abschließenden Kundgebung zusammen. Auf dieser sprach Enzo de Negri, Sohn des damals auf Kefalonia von einer Gebirgsjägereinheit ermordeten Capitano Francesco de Negri. Am späten Nachmittag fand eine mit 100 Demonstrat_innen besuchte Protestkundgebung vor dem Maultierdenkmal der Karwendelkaserne statt. Soldaten legten dort zu Ehren ihrer verstorbenen Tiere einen Kranz ab. Eine Gedenkveranstaltung seitens des Militärs für die unschuldigen Opfer der Gebirgsjäger gab es nicht. Die Karwendelkaserne trug – wie auch so viele andere Kasernen in Deutschland- bis 1995 den Namen eines NS- Kriegsverbrechers. Benannt war sie nach dem Generalmajor der Wehrmacht Ludwig Kübler, der eine „äußerst positive Einstellung zum Nationalsozialismus“ aufwies und nach dem Krieg von einem jugoslawischen Militärgericht wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt wurde.

Unweit der Kaserne trafen im Laufe des früher Sonntages um die 500 Menschen ein, die den gefallenen“ Kameraden“ gedenken wollten. Dies war eine weit geringere Teilnehmer_innenzahl als die Jahre zuvor. Mit Blasmusik, einem Gottesdienst und militärischem Flair gingen die Anwesenden ganz „unschuldig“ und kritiklos ihrer Traditionspflege und ihrer besessenen (Kriegsverbrecher-)Ehrung nach. Gestört wurden sie zeitweise durch laute Hubschraubergeräusche. Manche müssten auch aus dem Wald kommende Proteste gehört haben. Etwa 30 Antifaschist_innen machten sich nämlich zunächst unerkannt auf den steilen Weg zum „Ehrenmal“. Erreicht haben sie die revisionistische Veranstaltung leider nicht ganz. Bayrische Polizeibeamte fingen sie ein paar Meter vor dem Veranstaltungsort ab und begleiteten sie den Berg wieder hinab. Dabei zeigten sie mit Transparenten wie „Brendtenfeier beenden! Kriegsverherrlichung stoppen!“ und „Der Vernichtungskrieg war ein Deutscher!“ und Partisanenliedern, was sie von dem Treffen der Gebirgsjäger einiger Höhenmeter über ihnen halten. Bis das Treffen zu Ende ging, wurden sie am Fuß des Berges von der Polizei festgehalten. Danach demonstrierten sie noch unter Polizeibegleitung von Klais nach Mittenwald.

Im Jahr zuvor nahm Josef Scheungraber, ein vom italienischen Militärgericht in La Spezia zu lebenslanger Haft verurteilter Kriegsverbrecher, an dem Treffen teil. Es schien auch – außer seinem Neffen- niemanden zu stören, dass ein 14-facher Mörder der Zeremonie beiwohnte. In Falzano (Italien) sperrte seine Einheit unter seinem Befehl 15 Zivilist_innen in ein Bauernhaus und sprengte es – als „Vergeltung“ für Partisanenangriffe. Alle im Haus bis auf einen 15jährigen Jungen starben.

Wir können festhalten, dass die Proteste schon, wenn auch nur kleine, Früchte tragen. Das Gebirgsjägertreffen wurde auf Grund der Gegenaktivitäten der letzten Jahre vom Pfingstwochenende weg verlegt. Die Besucher_innen scheinen auch auszubleiben. Uns bleibt zu hoffen, dass diese kriegsverherrlichende Veranstaltung bald der Vergangenheit angehört.

In diesem Sinne:
NS- Verherrlichung stoppen! NS- Opfer entschädigen!

Bericht erschienen in der Infobroschüre „Attenzione“ (Ausgabe Mai 2008)
www.attenzione-pirna.de

[Bilder] vom „Gebirgsjägertreffen“ 2008 in Mittenwald